Vierter Bericht zu den Aargauer Gemeindestrukturen liegt vor: Grundlage für Beurteilung von Chancen und Risiken für Gemeinden
Der Gemeindestrukturbericht 2025 gibt einen Überblick über die Entwicklung der Aargauer Gemeinden. Er zeigt auf, wie sich die Behörden, die Bevölkerung und die finanzielle Situation der Gemeinden verändert haben. Ziel ist es, das Bewusstsein für die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der Gemeinden zu stärken, damit nachhaltige Lösungen entwickelt werden können. Der Bericht erscheint alle vier Jahre und wird nun zum letzten Mal in dieser Form veröffentlicht. Zukünftig soll die Informationsvermittlung flexibler und moderner erfolgen.
Der aktuelle Gemeindestrukturbericht bietet einen Überblick über die Gemeindelandschaft des Kantons. Mit 197 politischen Gemeinden per 1. Januar 2025 gehört der Aargau zu den gemeindereichsten Kantonen der Schweiz hinter den Kantonen Bern (335 Gemeinden) und Waadt (300). Die Aargauer Gemeinden liegen mit einem Durchschnittswert von 3'690 (2024) Einwohnerinnen und Einwohnern unter dem gesamtschweizerischen Schnitt von 4'206.
Gemeindestrukturen weiterhin im Wandel
Auf den 1. Januar 2026 reduziert sich die Anzahl der Einwohnergemeinden im Kanton Aargau auf 196, weil sich Brugg und Villnachern zusammenschliessen werden. Seit dem Jahr 2002 gab es 23 Gemeindezusammenschlüsse, die Anzahl der Gemeinden ist von 231 (2002) auf 196 (2026) zurückgegangen. Der Kanton hat die Gemeinden bei Zusammenschlüssen bisher mit insgesamt 68 Millionen Franken unterstützt.
Eine ähnliche Entwicklung ist bei den Ortsbürgergemeinden festzustellen. Seit 2010 hat sich deren Anzahl per Ende dieses Jahres auf 167 verringert. Die Auslagerung des Forstwesens, fehlendes Vermögen und eine schwierige Einnahmesituation, aber auch Gemeindezusammenschlüsse beschleunigten die Abnahme.
Die Aufgaben und Pflichten der Gemeinden werden laufend komplexer. Der Fachkräftemangel und die damit verbundene Schwierigkeit, Behördenfunktionen zu besetzen, fordern die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit der Gemeinden heraus. Zwischen 2020 und 2024 stieg der betriebliche Aufwand jährlich um 4 Prozent. Da der Ertrag fast im gleichen Umfang zunahm, fiel das Ergebnis mehrheitlich leicht positiv aus. Auch wenn Finanzaufwand und -ertrag wegen einzelner Sondereffekte in Gemeinden schwanken, liegt der Finanzierungsüberschuss seit 2020 konstant zwischen 100 und 140 Millionen Franken.
Gemeinderatsmitglieder werden jünger, weiblicher und parteiloser
Die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte sind seit 2021 jünger geworden. Während die Anteile der 30- bis 39-Jährigen um 3,3 und der 40- bis 49-Jährigen um knapp 10 Prozentpunkte zugenommen haben, sind die Anteile der älteren Altersgruppen geschrumpft: die über 70-Jährigen um 7 und die 60- bis 70-Jährigen gar um mehr als 10 Prozentpunkte. Die grösste Gruppe mit 60 Prozent sind zwischen 40 und 60 Jahre alt. Die 60- bis 70-Jährigen machen über einen Viertel (27,3 Prozent) aus.
Der Anteil der Frauen in den Gemeinderäten ist seit 2017 langsam, aber stetig angestiegen. Gegenüber 2021 hat sich die Anzahl der Gemeinderätinnen von 279 auf 292 erhöht. Damit beträgt der Frauenanteil knapp 30 Prozent. 2021 waren es noch 26,5 Prozent.
Der Trend hin zur Parteilosigkeit in den Gemeinderäten hat sich fortgesetzt. Waren im Jahr 2021 noch 54,7 Prozent parteilos, sind es im Jahr 2025 bereits 58,6 Prozent.
Fluktuationsrate hängt von Gemeindegrösse ab
Die Mitglieder des Gemeinderats werden für vier Jahre gewählt und verpflichten sich mit der Wahlannahme zur Ausübung des Amts für die ganze Dauer. Ein Rücktritt vor Ablauf der Amtsperiode ist nur aus wichtigen Gründen möglich und braucht die Zustimmung des Departements Volkswirtschaft und Inneres. Besonders kleine Gemeinden sind häufiger betroffen: Von 183 Rücktritten zwischen 2021 und 2025 entfiel über ein Drittel auf Gemeinden mit weniger als 1’500 Einwohnerinnen und Einwohnern. In Gemeinden mit einer Bevölkerungszahl von über 7’000 lag die Fluktuation hingegen nur bei 9,6 Prozent.
Im Kanton Aargau sind rund 3'600 Personen in kommunalen Behörden tätig, das sind etwa ein Prozent der Stimmberechtigten. Diese Zahl umfasst unter anderem Gemeinderätinnen und Gemeinderäte (995), Stimmenzählerinnen und Stimmenzähler sowie Mitglieder von Finanz- und Geschäftsprüfungskommissionen.
Letzter Gemeindestrukturbericht in dieser Form
Der Bericht enthält neu Beiträge zu den Sonder- und Mittelschulen sowie zu den regionalen Integrationsfachstellen (RIF). Die RIF unterstützen bei der Integration und übernehmen Informations- und Beratungsaufgaben für Gemeinden. Per Oktober 2025 gibt es neun Regionale Integrationsfachstellen mit 83 beteiligten Gemeinden.
Der aktuelle Bericht wird der letzte in dieser Form sein. Zukünftig sollen aktuelle Zahlen und Kennwerte zur Aargauer Gemeindelandschaft in kürzeren Abständen elektronisch publiziert und nach Bedürfnis laufend ergänzt werden. Ziel ist eine moderne, flexible und serviceorientierte Informationsvermittlung.
Quelle: Kanton Aargau
28.11.2025