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Langeweile und Selbstkontrolle in der Pandemie

Dr. Wanja Wolff

Dr. Wanja Wolff

Dr. Wanja Wolff ist Postdoctoral associate in der Abteilung Pädagogische Psychologie des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Bern. Bild ZVG Uni Bern

Viele von uns langweilen sich in der Pandemie mehr – was nicht per se schlecht ist, wie Wanja Wolff sagt. Der Psychologe am Institut für Erziehungswissenschaften erforscht Langeweile in Zeiten von Covid-19 und kommt zum Schluss: Langeweile ist ein mächtiger Motivator.

Wanja Wolff, was ist Langeweile?

Wanja Wolff: Unter Langeweile versteht man einen unangenehmen Zustand, der entsteht, wenn es einem nicht gelingt, seine Aufmerksamkeit mit einer aktuellen Situation zu verbinden. Oft empfindet man das als mental anstrengend, weil man versucht, die Aufmerksamkeit trotzdem auf die jeweilige Situation oder Handlung zu richten. Langeweile sollte man daher nicht mit passivem oder gar entspanntem Nichtstun verwechseln, im Gegenteil: Langeweile entsteht, wenn wir etwas tun wollen oder sollen, sich die aktuellen Handlungsoptionen – zum Beispiel in der Schule dem Unterricht folgen – aber nicht wie ein lohnender Einsatz unserer Zeit und Ressourcen anfühlen. Leo Tolstoi beschrieb Langeweile auch als «Desire for Desires». Das trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf.

Was macht Langeweile so interessant, dass Sie über sie forschen?

Zuallererst natürlich die Alltagsrelevanz: Studien zeigen, dass sich fast alle Menschen regelmässig langweilen, selbst Tiere langweilen sich manchmal. Das deutet schon mal darauf hin, dass Langeweile eine bedeutende Funktion in unserer Verhaltenssteuerung einnimmt. Ansonsten wäre es ja anzunehmen, dass sie im Laufe der Evolution ausselektiert worden wäre. Interessanterweise wurde Langeweile aber lange nicht spezifisch erforscht. Wir stehen immer noch ziemlich am Anfang, wenn es darum geht, ihre Funktion und ihren Einfluss auf das Verhalten zu verstehen. Es zeigt sich aber mehr und mehr, dass Langeweile ein mächtiger Motivator von vielfältigen Verhaltensweisen ist. Diesen Wirkmechanismus zu erforschen, finde ich extrem interessant.

Welche positiven Seiten gewinnen Sie aus wissenschaftlicher Sicht der Langeweile ab?

Ganz wichtig: Langeweile fühlt sich zwar negativ an, ist aber nicht per se schlecht. Sie hat einfach eine Signalfunktion, indem sie uns mitteilt, dass wir unsere Ressourcen aktuell nicht lohnend einsetzen. Man kann das mit dem Schmerz vergleichen: Er ist zwar unangenehm, bringt uns aber dazu, die Hand von der heissen Herdplatte zu nehmen, um weitere Verbrennungen zu vermeiden. Ähnlich ist es bei der Langeweile: Theoretische und empirische Arbeiten legen nahe, dass sie Explorationsverhalten anstösst. Nun stellt sich die Frage, wie dieses Verhalten ausfällt: Gehe ich aus Langeweile joggen und tue damit meiner Gesundheit etwas Gutes, oder zappe ich mich auf der Couch durch Youtube? Wenn man dieses Explorationsverhalten besser versteht, kann man den Menschen eventuell helfen, adäquat auf Langeweile zu reagieren.

Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse zum Einfluss von Langeweile auf uns Menschen während dieser Pandemie?

Es scheint, als wäre die Rolle von Langeweile während der Pandemie vermehrt in den Fokus gerückt. Das ist naheliegend, da wir durch die Einschränkungen viele Dinge, die wir üblicherweise als belohnend empfinden, nicht ausüben können. Wir konnten in zwei Studien zeigen, dass Menschen, die sich tendenziell rasch langweilen, die Social-Distancing-Guidelines häufiger missachten. Darüber hinaus kann der eingeschränkte Verhaltensspielraum während der Pandemie zur Langeweile beitragen: In einer aktuellen Untersuchung konnten wir zeigen, dass Menschen, die sich an die Social-Distancing-Guidelines halten, dann auch mehr Langeweile empfinden als die, die es nicht tun. Grob können wir unsere Studien also so zusammenfassen: «Too bored to bother», wenn es Menschen mit hoher Langeweiletendenz nicht gelingt, sich an die Guidelines zu halten – und «bored by bothering», wenn das Einhalten der Regeln zu mehr Langeweile führt.

Was folgt daraus? Wie können wir uns motivieren, uns in der Pandemie angemessen zu verhalten?

Aus der Forschung zur Entstehung und Funktion von Langeweile lassen sich einige Stellschrauben identifizieren. Man muss zum Beispiel dafür sorgen, dass die Menschen den Sinn der Einschränkungen verstehen. Die Forschung zeigt, dass Langeweile vermehrt dann entsteht, wenn Situationen und Handlungen als bedeutungslos wahrgenommen werden. Überdies macht es Sinn, wenn Handlungsalternativen betont werden, sodass Langeweile nicht zu Regelübertritten, sondern zu sinnvollem und anderweitig lohnendem Verhalten führt. Was kann ich also tun, wenn ich mich langweile und meine Freunde nicht treffen kann? Es hilft, wenn man hier ein paar Verhaltensweisen in der Hinterhand hat, die man persönlich sinnvoll findet. Allerdings muss ich betonen, dass die Forschung zu Langeweile hier noch in den Kinderschuhen steckt.

Sie erforschen auch die Bedeutung von Langeweile im Zusammenspiel mit Selbstkontrolle bei Schülerinnen und Schülern in Corona-Zeiten. Zu welchen Ergebnissen kommen Ihre Studien?

Diese Ergebnisse decken sich vielfach mit den Befundmustern, die wir bei Erwachsenen haben und die wir theoretisch ausgearbeitet haben: Langeweile und Selbstkontrolle scheinen in einem komplexen Zusammenspiel gemeinsam, aber mittels verschiedener Mechanismen Verhalten zu modulieren. Im Schulkontext fanden wir heraus, dass Langeweile es den Schülerinnen und Schülern insbesondere im Homeschooling erschwert, den Schulstoff zu bewältigen. Selbstkontrolle kann helfen, trotz Langeweile die Aufgaben zu erledigen. Der Einfluss von Langeweile schien im normalen Schulalltag – nicht im Homeschooling – schwächer zu sein; womöglich, weil der durch Langeweile ausgelöste Explorationsdrang durch die Struktur, die der Schulalltag bietet, besser reguliert wird. Dann kommt es nicht so stark auf die individuelle Selbstkontrolle der Schülerinnen und Schüler an. Diese Interpretation müsste aber noch dezidiert untersucht werden und ist zum jetzigen Zeitpunkt noch spekulativ.

Welche Empfehlungen und konkreten Massnahmen lassen sich für die Schulen ableiten?

Das ist eine schwierige Frage, auf die ich leider keine befriedigende Antwort geben kann, weil es an Interventionsstudien, die als direkte Vorlage dienen können, mangelt. Wir konnten bei Erwachsenen zeigen, dass eine einfache Selbstkontroll-Intervention, also das Formulieren von Handlungsplänen, möglicherweise effektiv ist, um besser mit den Anforderungen der Covid-19-Pandemie umgehen zu können. Derartige Interventionen sind im Schulkontext durchaus denkbar und abseits von Covid-19 auch schon durchgeführt worden. Ihre Wirksamkeit im Homeschooling während der Pandemie muss man aber noch überprüfen.

Eine einfache Empfehlung, die man aber geben kann, ist: Langeweile sollte man ernst nehmen und nicht einfach ignorieren. Ein besseres Verständnis davon, wie Langeweile entsteht und welche Funktion sie hat, könnte es einem ermöglichen, adaptiv zu reagieren.

Was machen Sie eigentlich selbst, wenn Sie sich mal langweilen?

Dann plane ich eine Studie, um herauszufinden, wie ich besser damit umgehen kann. Spass beiseite: Auch ich versuche, der Langeweile besser «zuzuhören» und abzuwägen, wann ich trotzdem mit einer Handlung weitermachen sollte, zum Beispiel um ein langfristiges Ziel zu erreichen, oder wann es Sinn macht, die Situation zu verlassen oder wenn möglich zu verändern.

Interview: Nina Jacobshagen

Quelle: Uni Bern

27.4.2021

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